Glücksspiel und Sucht

Schon immer haben Menschen gerne gespielt. Alles was zum Spiel gemacht werden konnte, wurde zum Spiel erklärt.
Spass, Geselligkeit und Ablenkung vom Alltag, vieles davon kanalisierte sich in sportlicher Betätigung, Wetten oder eben Glücksspiel.

Und es ist ein einträgliches Geschäft: Nicht weniger als 31,5 Milliarden € Umsatz brachte der Glücksspielmarkt im Jahre 2011 ein.

Davon wurden ganze 17 Milliarden von Spielautomaten­ Aufstellern gemacht!
(Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg.) (2012): Jahrbuch Sucht 2012. Pabst Science Publishers, Lengerich.)

Heute gibt es eine ganze Reihe von verschiedenen Zerstreuungsmöglichkeiten rund um das Thema Glücksspiel:

Lotto, Rubbellose, Wetten (Sportwetten, Pferdewette…), Automatenspiele, Casino ­Spiele wie Roulette, oder Blackjack, Bingo, Preisausschreiben, Call­ In­ Shows und natürlich auch alle dazugehörigen Online ­Angebote.

Apropos “Glücksspiel”… Daneben darf man natürlich auch nicht die riskanten Börsenspekulationen einiger Herrschaften vergessen!

Ich verweise nur auf Jérome Kervièl, der seiner Bank durch riskante Zockerei, einen Schuldenberg von beinahe 5 Milliarden Euro hinterliess und diese damit um ein Haar in den Bankrott trieb… Aber das ist eine ganz andere Geschichte…

Jetzt könnte man natürlich sagen, alles was Spass macht, kann süchtig machen.
Das stimmt vielleicht, aber es ist nicht ganz so einfach.

  • Was ist Glücksspielsucht genau?
  • Wie entsteht sie und welcher Typ Mensch ist besonders gefährdet?
  • Was kostet Glücksspielsucht den Staat und welche Strategien verfolgt er um den Betroffenen zu helfen?

Diese und anderen Fragen zu diesem sehr vielschichtigen Thema, möchte ich in diesem Artikel beantworten.


Spielsucht in der Statistik

Das Phänomen der Spielsucht ist in Deutschland ernst und definitv vorhanden.
Statistiken belegen, dass ca. 1 % der deutschen Bevölkerung ein Problem mit dem Glücksspiel hat.

Nicht jeder, der hin und wieder in seiner Kneipe eine Runde Book of Ra spielt, ist gefährdet.

Der deutsche Drogen und Suchtbericht aus dem Jahre 2013 definiert die Gefahr folgendermaßen:
“Problematisch wird das Spiel dann, wenn es die eigenen wirtschaftlichen Möglichkeiten übersteigt und das Glücksspiel weite Teile des Lebens bestimmt.”
(Quelle: Drogenbeauftragte)

Diese Spieler werden in Statistiken als “pathologische Spieler” bezeichnet.
Die Spielsucht fällt in die Kategorie Verhaltensucht, Zu dieser Kategorie werden auch die Kaufsucht, Arbeitssucht und generelle Internetsucht gezählt.

Die Zahlen und Daten zur Spielsucht zeigen eines ganz deutlich: Süchte kosten den Staat Geld.
Auch die Glücksspielsucht verursacht volkswirtschaftliche Kosten in enormer Höhe.

Bis zu 326 Millionen € sollen direkte und indirekte Kosten der Glücksspielkosten ausmachen ausmachen.
(Quelle: Studie der Universität Hohenheim)

Dem gegenüber stehen Kosten gegenüber, die aus anderen Süchten entstehen.

Tabak und Alkohol­mißbrauch kosten den deutschen Staat ca. 60 Milliarden € jährlich.
(Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, Jahrbuch Sucht 2012)

Mit diesem Vergleich möchte ich die Kosten, die ungesundes Spielverhalten mit sich bringen, nicht klein reden.
Fest steht, dass Glücksspiel süchtig machen kann und den Staat und den Steuerzahler viel Geld kosten.


Was macht beim Glücksspiel süchtig?

Nur ein kleiner Teil der Spieler wird süchtig.
Die genauen Ursachen von Sucht im Allgemeinen und Spielsucht im Speziellen sind so vielfältig wie Menschen generell.

Der grösste Teil der Glücksspieler sieht das Glücksspiel als reine Unterhaltung.
Er gibt dafür einen bestimmten Betrag aus und erwartet dafür Unterhaltung.

Andere Leute gehen dafür ins Kino oder kaufen sich einen guten Scotch.

Problematisch an der Spielsucht ist ihr schleichender Verlauf.
Sobald der Unterhaltungsfaktor dem Gedanken des Gewinnens weicht, sollte jeder Spieler aufpassen.


Gewinnen

Jeder Spieler muss sich darüber im klaren sein, wie viel er für sein Vergnügen bereit ist zu bezahlen.

Was aber macht süchtig?

Sind es die akustischen Signale oder das Gefühl einen ordentlichen Gewinn einzufahren.
Oder ist es der warme Raum der Spielhalle der Geborgenheit und Abstand von der kalten Realität verspricht.

Wahrscheinlich eine Mischung aus allem.
Und dem was jeder Spieler individuell mitbringt. Kein Mensch ist ohne Reisegepäck unterwegs:

Der Durchschnittsspielsüchtige, wenn man das so schreiben darf, ist männlich, unter 30 Jahre alt, Kettenraucher.
Mehr als die Hälfte der Betroffenen haben einen Migrationshintergrund und sind depressive Alkoholiker.
Und weil das noch nicht reicht, ist jeder 5. Spielsüchtige auch noch arbeitslos.

Die Gründe für eine potentielle Spielsucht sind also vielfältig und wahrscheinlich ebenso verantwortlich für andere Süchte.

Spielsucht reflektiert also auch ein gesellschaftliches Problem.
Die Maschen des Gitters, durch welches man aus der Gesellschaft fallen kann, werden immer grösser.
Die Zahl derer die sich in unserer Gesellschaft nicht mehr wohlfühlt oder sich bereits ausgestossen fühlt wird grösser.

Ich lebe in Berlin. Seit ein paar Jahren beobachte ich in meinem Kiez, dass es immer mehr und mehr Flaschensammler gibt.
Und das sind keine Kinder, die sich ein bisschen Taschengeld verdienen wollen, nein, leider sind es sehr oft Rentner, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben und denen die Rente nicht reicht…

Viele Menschen flüchten sich also in eine Sucht. Soviel steht fest.
Und Süchte sind nicht gut. Sie zerstören Menschen, Beziehungen und Privatvermögen.


Der pathologische Spieler

EuroFür einen pathologischen Spieler, und das sind laut einer Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung immerhin 0,5 % der Bevölkerung, ist es unmöglich geworden, normal zu spielen.

Für ihn sind die einfachsten Dinge meilenweit weg, er setzt sein gesamtes Geld auf Rot obwohl er seine Miete noch nicht bezahlt hat.
Er leiht sich Geld von Freunden, die ihn langsam abschreiben.
Sie vernachlässigen ihre Familie und erfinden immer absurdere Ausreden um sich abzuschotten, für den kurzen Kick am Automaten oder am Spieltisch im Casino.

Und das Geld landet im Casino.
Dort und natürlich auch beim Staat, der sich durch Konzessionen und Steuern einen guten Teil der “Beute” abholt.


Was macht unser Staat?

Nun kann man sich natürlich fragen warum unser Staat Glücksspiel nicht einfach verbietet?
Eine klare Antwort bietet der Gewinn den unser Land einfährt, nämlich über 3 Milliarden Euro an Steuern und Konzessionen.

Genau wie bei Tabak und Alkohol verdient der Staat ordentlich mit. Was ja auch nicht unbedingt schlecht ist.
Generell finde ich die Absicht des Staates sehr edel.

Er erhebt eine gewisse Steuer auf Luxus und Unterhaltungsartikel, also Tabak, Alkohol, und Glücksspiel und klärt darüber auf.
Darüber hinaus bietet er verschiedene Plattformen zur Hilfe und Selbsthilfe an. Aber reicht das?

Kann und sollte der Staat mehr tun?
Das ist in der Tat eine schwierige Frage.

Es gibt zu jedem Thema viele verschiedene Zahlen und Meinungen, eine aber finde ich sehr bemerkenswert und dramatisch:

Der Glücksspielexperte Michael Adams von der Universität Hamburg schätzt, dass 56 % der Umsätze, die das Glücksspiel in Deutschland generiert, durch Spielsüchtige zusammenkommt.
(Quelle: Planet Wissen)

Diese Zahl ist erschreckend hoch, und wenn man bedenkt, dass es um die Summe von über 18 Milliarden Euro allein im Jahr 2013 geht und der Staat allein im Jahr 2011 1,6 Milliarden durch Vergnügung­, Umsatz und Gewerbesteuer gezahlt durch die Unterhaltungsautomatenindustrie einnahm, dann frag ich mich doch ob der Staat die Verantwortung seiner Bürger gegenüber wirklich ernst nimmt.

Der Staat könnte mehr tun. Wenn ein Spielautomatenhallenbetreiber seine Angestellten dazu anhält, alle Spielern, die länger als fünf Stunden am Stück spielen, einfach rausschmeisst, mit einer Broschüre der nächsten Suchtberatungsstelle, dann wäre das ein Anfang.
Doch die Realität sieht anders aus, der Staat verdient an der Spielsucht, und der Spielhallenangestellte kauft dem Langzeitspieler einen Döner und versorgt ihn mit Kaffee.

Die Verflechtungen zwischen Unterhaltungsautomatenindustrie und Politik sind eindeutig:

Spenden fliessen in Richtung Politik, an die grossen Parteien, und diese bedanken sich mit Gesetzen, schwachen Gesetzen, die einen Spielerschutz einfordern, diesen aber so schwach ausformulieren, dass die Spielhallen nicht wirklich dazu angehalten werden ihre Spieler zu schützen.
Aber wollen wir uns schützen lassen?


Schutz = Bevormundung?

Wir Bürger wehren uns in der Regel gerne gegen Bevormundung.
Als die Grünen vor einiger Zeit einen vegetarischen Tag in den Kantinen einführen wollten, gab es einen Aufschrei und in der darauf folgenden Wahl wurden sie dafür abgestraft.

Niemand mag es bevormundet zu werden. Das ist völlig klar.
Wir sind selbstbestimmte Menschen und wieso weshalb warum wir etwas machen ist privat und muss privat bleiben!

Ich persönlich kenne meine Grenzen, ich habe soweit ich mich erinnern kann, eine glückliche Kindheit verbracht, inklusive Schulzeit und Weiterbildung.
Wenn ich mir den durchschnittlichen spielsüchtigen Menschen noch einmal anschaue, dann sehe ich, dass sein Weg schon bevor er das erste Mal das Blinken und Bimmeln des Spielautomaten gehört, bzw. gesehen hat, vorgezeichnet war.

Ich selbst spiele gerne. Ich gehe sehr gerne ins Spielcasino in die Patchinko­-Hallen, oder spiele auch im Online­Casino.
Und wie jeder andere auch freue ich mich über Gewinn und ärgere mich über Verlust.

Aber ich weiss wann Schluss ist.
Schluss ist immer dann, wenn man den Betrag, den man sich vorher zum Ausgeben gespart hat, und den man nicht braucht, weil die laufenden Kosten wie Miete und Strom und Telefon bezahlt sind, ausgegeben ist.

Wenn dieser, nennen wir ihn Hobbybetrag, verspielt ist, dann ist Schluss, dann geht man nach Hause, macht den Rechner aus, ärgert sich, liest ein gutes Buch oder geht joggenwas weiss ich…

Das wäre der Idealfall, was aber passiert, wenn wir auf einmal merken, dass wir immer mehr spielen müssen?
Was passiert wenn unsere Einsätze immer höher werden wir also immer mehr für den kurzen Kick investieren müssen?

In diesem Augenblick müssten eigentlich alle persönlichen Alarmglocken angehen. Jeder Betroffene sollte einfach aufhören zu spielen.
Ein Notfallknopf sollte gedrückt werden und jegliche Geldeinzahlungsmöglichkeiten sollten gesperrt werden. Leider nicht möglich…


Online Casinospieler


Wie kann man gefährdeten Spielern besser helfen?

Es gibt leider immer wieder Menschen die durch das Gitter fallen.
Mädchen die magersüchtig werden, weil sie daran glauben, dass eine Zigarette und ein Kaffee als Mittagessen reichen.
Jugendliche die im Krankenhaus landen weil alkoholische Getränke bunter sind als die gute alte Fanta Mango­ Eine Fussballnation die durch Wettskandale immer wieder in ihren Grundfesten erschüttert werden…. bedenkliche Zusatzstoffe…

Gefahren lauern überall und an jeder Ecke!

Wie kann man aber jetzt einen potentiellen Spieler erkennen und diesen warnen oder vom krankhaften Spielen fernhalten?

Meiner Meinung nach ist das Online­Glücksspiel dazu einfacher in der Lage als das klassische Automatencasino also Spielhalle an der Ecke nebenan.
Jeder Online-Casinospieler registriert sich mit seiner Kreditkarte bei einem Bezahlsystem wie Scrill oder ähnlichem.
Das sollte es Online-­Casinos ziemlich einfach machen, gefährdete Personen zu sperren.

Natürlich bedeutet das einen Eingriff in die Privatsphäre eines Menschen.
Daher sollte das ein System integriert werden, welches jedem Spieler es ganz einfach macht, sich bei allen Online Casinos selbst zu sperren.
Spieler handeln nicht vom ersten Augenblick an blind.

Das sind Notfall­-Maßnahmen – Was aber wenn es bereits zu spät ist, oder wenn ein Spieler einen Ansprechpartner braucht?
Diese Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet einen guten Ansatz zur Selbsthilfe:

https://www.check-dein-spiel.de/

Auch die Seite Spielsucht­-Theraphie.de hat eine Menge an Material und Links bereitgestellt um betroffenen und gefährdeten Menschen zu helfen.

Warum ich trotz allem für die Glücksspielindustrie arbeite:

Wir von der Glücksspielschule.de freuen uns über Spieler­ über Leute, die sich ablenken wollen und einige Zeit dem Glücksspiel widmen.
Wir sind uns über das Risiko des Spielens bewusst. Und das erwarten wir von unseren Spielern auch!

Und ja: Wir wissen, dass wir an den Verlusten der Spieler gewinnen.
Der Verlust muss höher sein als der Gewinn, ansonsten bleibt am Ende kein Gewinn für uns über­ Für uns nicht und für das Casino auch nicht.

Das ist natürlich die dunkle Seite der Medaille.
Ohne Verlust auf der einen Seite gibt es keinen Gewinn auf der anderen Seite. Und es gibt definitiv harte Spieler­Schicksale.
Tragödien und Ehestreits, die direkt oder indirekt mit dem ungesunden Spielverhalten von manchen Spielern zu tun haben.

Mir ist auch bewusst, das das Glücksspiel oder Sportwetten vom Staat nur geduldet werden, also jederzeit verboten werden könnten­ Aber dann möchte ich auch sehen, dass Alkohol, Tabak und Börsenspekulation verboten werden.

Ich bin für einen selbstbestimmten Menschen, der sich vor sich selbst schützen kann.
Aber dieser Mensch muss in einer gesunden Gesellschaft leben!
Und manchmal habe ich den Eindruck, dass unsere Gesellschaft sich in die falsche Richtung entwickelt.

Ich kann und darf natürlich nicht alles auf die ach so böse Gesellschaft schieben.
Aber schwache Menschen müssen besser geschützt werden.

Die Glücksspielindustrie muss sich besinnen und gefährdeten Menschen besseren Schutz bieten.
Und der Staat muss mitmachen. Verbote alleine werden nicht helfen. Der Mensch will spielen!
Und ich werde weiterhin mit Gewissen weitermachen als jemand der vom dicken Batzen, den Glücksspiel und Sportwetten abwerfen, eine Scheibe abhaben will.